Kulturelle Teilhabe ist in ländlichen Räumen oft mit besonderen Herausforderungen verbunden: Große Entfernungen, geringe Dichte an Einrichtungen und begrenzte Ressourcen erschweren den Zugang zu Kulturangeboten. Umso wichtiger sind Strukturen, die Akteurinnen und Akteure vor Ort vernetzen, beraten und fördern. „Regionale Kulturbüros“ übernehmen diese Aufgabe – sie stärken lokale Initiativen, schaffen Verbindungen zu Politik und Verwaltung und tragen dazu bei, dass Kultur auch jenseits der Metropolen sichtbar und wirksam bleibt.
Rund 100 „regionale Kulturbüros“ unterschiedlicher Art konnten im Zuge der Feldrecherche im Rahmen des vom Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft durchgeführten Projektes „Vernetztes Handeln für Kultur in ländlichen Räumen“ (NetKulaeR) eruiert werden und es ist anzunehmen, dass es darüber hinaus viele weitere gibt (Glossar, Wingert 2023). Es handelt sich also um weites Feld, dessen kleinster gemeinsamer Nenner es ist, aus der Perspektive der regionalen Entwicklung Kulturakteure in ländlichen Räumen zu unterstützen. Die interaktive Karte konzentriert sich auf den Bestand kreisübergreifend tätiger Kulturbüros (Stand: April 2026).
Karte 1
Zehn Modelle regionaler Kulturbüros
Im Fokus des Interesses stehen kreisübergreifend tätige Kulturbüros, die aufgrund überregionaler politischer Entscheidungen systematisch in den betreffenden Ländern aufgebaut wurden und auch weiterhin aufgebaut werden. Sie haben sich aufgrund der gemeinsamen Geschichte in diesen Ländern parallel entwickelt und spielen in der jeweiligen Landeskulturpolitik eine strategische Rolle, wenn auch in unterschiedlicher Weise. Das übergeordnete politische Interesse besteht darin, mit diesen Unterstützungsstrukturen Kulturakteure auch in den ländlichen Regionen des Landes zu stärken und somit Kultur für alle Menschen zugänglich zu machen. Trotz Unterschiede im Detail können sie jeweils als ein Modell für das betreffende Bundesland gelten.
Die Studie nimmt diese Modelle „regionaler Kulturbüros“ besonders in den Blick, um sie in ihrer Unterschiedlichkeit für Akteure der lokalen wie regionalen Politik und des Kulturbereichs transparenter zu machen. Zudem geht es darum, die Einrichtung regionaler Kulturbüros als landeskulturpolitische Strategie in verschiedenen Ausprägungen sichtbar zu machen und zur Wertschätzung und Stärkung der Büros beizutragen.
Geschichte und Kontext
Ein Blick in die Geschichte der „regionalen Kulturbüros“ und auf den Kontext ihrer Entstehung wie auch ihres Betriebs gibt Hinweise auf deren Selbstverständnis und Institutionalisierungsgrad. Hier wird auch das Verhältnis zum betreffenden Land thematisiert, das als Fördermittelgeber fungiert oder mit einem Förderprogramm überhaupt erst die Installation der Einrichtungen motiviert hat. Nicht alle Büros wurden primär mit der Absicht eingerichtet, Kulturakteure in ländlichen Räumen zu unterstützen, aber alle sehen dies zumindest als eine wichtige Aufgabe an.
Die in der Karte dargestellten 64 „regionalen Kulturbüros“ (Stand April 2026) befinden sich in kommunaler oder zivilgesellschaftlicher Trägerschaft, wobei keine städtischen oder kreiseigenen Kulturbüros (oder Kulturämter) einbezogen wurden. Vielmehr handelt es sich um höhere kommunale Ebenen wie kommunale Zusammenschlüsse von Landkreisen, Städten und Gemeinden, Zweckverbände oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH). Auch Kultur- und Bildungseinrichtungen in kommunaler oder frei-gemeinnütziger Trägerschaft mit regionalem Wirkungsradius übernehmen vernetzende und beratende Aufgaben für Kulturakteure in ländlichen Räumen. Für den zivilgesellschaftlichen Bereich spielen Landeskulturverbände als Träger eine große Rolle. Daneben finden sich auch Mischformen öffentlich-privater Trägerschaften von Kommunen und Landkreisen sowie Vereinen, Verbänden und Unternehmen. Zahlreiche „regionale Kulturbüros“ sind über Gremien oder anderweitig mit Kreisverwaltungen verbunden, auch wenn die Kreise nicht als Träger involviert sind.
Alle „regionalen Kulturbüros“ decken die ländlichen Räume der betreffenden Bundesländer vollständig ab (Karte). Ihre Wirkungsgebiete umfassen mehrere Landkreise und zuweilen auch größere Städte. Nur in Ausnahmefällen, wie etwa bei den LandKulturPerlen in Hessen, bezieht sich ihre Fördertätigkeit ausschließlich auf ländliche Gemeinden.
Aufgabenprofile, Instrumente, finanzielle und personelle Ausstattung
Gerade die größeren und bereits seit Jahrzehnten etablierten Kulturbüros haben vielfältige Instrumente und Formate entwickelt, um ihre Aufgaben zu erfüllen. Es zeichnen sich nicht nur große Unterschiede zwischen den Modellen ab, sondern auch zwischen den „regionalen Kulturbüros“ eines Modells. Denn die Ausgestaltung der regionalen Aufgaben hängt von vielen Faktoren ab, wie der Geschichte der Einrichtungen, den Bedarfen der Kulturschaffenden in der Region, den Zielsetzungen der Träger sowie der Mittelgeber und nicht zuletzt auch von der personellen und finanziellen Ausstattung.
Überwiegend sind ein bis zwei Fachkräfte in den Kulturbüros tätig, allerdings sind einige lediglich mit einer Teilzeitkraft besetzt. »Regionale Kulturbüros«, die Fördermittel vergeben, wie etwa die Landschaften und Landschaftsverbände in Niedersachsen oder die sächsischen Kultursekretariate, sind personell besser ausgestattet. Sie haben in der Regel drei bis sechs Beschäftigte in Voll- und Teilzeit. Sind verschiedene Förderprogramme umzusetzen, qualifizierende wie kulturelle Veranstaltungen zu organisieren und gar eigene Einrichtungen zu betreuen, bewegt sich die personelle Kapazität zwischen sieben und 14 Vollzeitäquivalenten, kann aber in Einzelfällen auch deutlich darüber hinausgehen.
Einige „regionale Kulturbüros“ hängen in hohem Maße von einer Landesförderung ab. Dies betrifft insbesondere Personalstellen, die ausschließlich mit Landesmitteln bei Kultur- und Bildungseinrichtungen oder Landeskulturverbänden eingerichtet wurden. In diesen Fällen wird über mehrjährige Projektförderungen (drei bis fünf Jahre) oder die Aufstockung der institutionellen Förderung von Kulturverbänden versucht, Planungssicherheit und Kontinuität herzustellen. Dies betrifft weniger Kulturbüros innerhalb von kommunalen Strukturen wie Kommunalverbänden oder Bezirken, die über breitere Finanzierungsquellen wie kommunale Mittel oder Mitgliedsbeiträge verfügen. Während in den meisten Fällen – natürlich nach Maßgabe der jeweiligen politischen Entscheidungen – prinzipiell eine dauerhafte Landesförderung vorgesehen ist, zielen einzelne Programme nach Auslaufen der Landesförderung auf die Übernahme der Kosten durch kommunale und andere Träger.
Glossar
Regionale Kulturbüros
Im Kontext der Studie ist der Begriff „regionale Kulturbüros“ ein Oberbegriff, mit dem Einrichtungen zusammengefasst werden, die (auch) in ländlichen Regionen unterstützend wirken, um das regionale Kulturschaffen sowie kulturelle Teilhabe zu stärken. Sie haben den Charakter von Intermediären zwischen dem Staat in seiner Eigenschaft als kulturpolitische Steuerungsinstanz und Fördermittelgeber einerseits sowie Kulturakteuren auf kommunaler, zivilgesellschaftlicher oder privatwirtschaftlicher Basis andererseits. Im Fokus stehen intermediäre Akteure, die kreisübergreifend tätig und in landeskulturpolitische Strategien eingebettet sind. Sie sind mit Kulturmanagerinnen und -managern (oder vergleichbar professionell) besetzt.
Quellen
Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft (2026): Studie »Vernetztes Handeln für Kultur in ländlichen Räumen« (NetKulaeR). Akteure – Rollenverständnisse – Gelingensbedingungen. URL: https://www.kupoge.de/studie-netkulaer/
Abrufdatum: 06.07.2026
Wingert, Christine (2023): Regionale Netzwerkstellen für Kultur in ländlichen Räumen. Eine typisierende Beschreibung, Zwischenbericht zur Studie Vernetztes Handeln für Kultur in ländlichen Räumen (NetKulaeR). Bonn. URL: https://kupoge.de/wp-content/uploads/2024/07/2023_NetKulaeR_Ergebnisbericht-Modul-A_gros.pdf
Abrufdatum: 15.09.2025
Zitierweise
Sievers, Simon & Christine Wingert (2026): Regionale Beratungs-, Vernetzungs- und Förderstellen für Kulturakteure in ländlichen Räumen. In: nationalatlas.de 20 (09.2026) 3 [01.09.2026]. Leipzig: Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL). URL: https://nationalatlas.de/nadbeitrag/regionale-beratungs–vernetzungs–und-foerderstellen-für-kultur-in-laendlichen-raeumen/
nationalatlas.de wird mitfinanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.
Autoren

Simon Sievers
Repgowstr. 5
50931 Köln
E-Mail: simonsievers@gmx.de

Christine Wingert M.A.
Institut für Kulturpolitik der Kulturpolitischen Gesellschaft
Weberstraße 59a
53113 Bonn
Tel.: 0228 20167-24
E-Mail: wingert@kupoge.de
